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Schwerpunktthemen im Dr. med. Mabuse: Schwangerschaft und Geburt, Familie und Gesundheit, Hilfe beim Sterben, Privatisierung von Kliniken. Der „Hilfe beim Sterben“-Schwerpunkt sorgt für lebhafte Diskussionen, wie weit Hilfe beim Sterben gehen darf. Die Texte unserer AutorInnen werden gleichzeitig als zu Sterbehilfe-kritisch und als zu Sterbehilfe-bejahend wahrgenommen.
Unsere neue benutzerfreundliche Homepage geht im August endlich online.
Nach unserem Erfolgstitel „Sonnige Traurigtage“ erscheint das zweite Buch von Schirin Homeier „Flaschenpost nach irgendwo“, ein Kinderfachbuch für Kinder suchtkranker Eltern. In der Reihe Demenz Support publizieren wir den Titel „Demenz-Kunst und Kunsttherapie“. Marianne Glaßer schildert dem außergewöhnlichen Erfahrungsbericht „Keine heile Welt“ ihr Leben mit einem behinderten Kind. Unsere Hebammenreihe wird um zwei Titel erweitert: Das „Praxishandbuch für Familienhebammen“ und das „Hebammenkompendium“, in welchem die Hebamme Christina Hinderlich in die Wirksamkeit anthroposophischer Heilmittel einführt.
Unsere langjährige Mitarbeiterin Michaela Marx verlegt ihren Lebensmittelpunkt nach Österreich. Mittlerweile sind wir mehr als ein Dutzend Mitarbeiter. Mit einer Organisations- und Betriebsberatung wollen wir unser Wachstum der letzten Jahre besser verkraften und uns neue Strukturen geben, um weiterhin wirtschaftlich und vorwärtsblickend arbeiten zu können.
Die Zusammenarbeit des Verlags mit Partnerorganisationen wird intensiviert: Gemeinsam mit IPPNW publizieren wir den Kongressband „Medizin und Gewissen, mit medico international das Buch „Patienten, Patente und Profite“. Zum Thema Demenz veröffentlichen zwei sehr erfolgreiche Bücher: „Demenz – mit dem Vergessen leben“, der erste Ratgeber für Betroffene und „ Das Vergessen erleben. Lebensgeschichten von Menschen mit einer demenziellen Erkrankung“. Außerdem erscheint mit „Quellen zu Geschichte der Krankenpflege“ ein wichtiges Buch für historische Studien und die Ausbildung an Pflegeschulen.
Unsere Autorin Monika Hauser, Frauenärztin und Gründerin von medica mondiale, erhält den Alternativen Nobelpreis.
Schwerpunktthemen im Dr. med. Mabuse: Medizin und Gewissen, Kinder und Gesundheit, Angehörige, Körperbild- und Essstörungen, Heime, Anthroposophische Medizin und Pflege.
Der lang geplante Bahnhofs- und Kioskvertrieb des Dr. med. Mabuse läuft Ende des Jahres an. Wir sind nun in jeder großen Stadt zu finden.
Am 15. September feiert Dr. med. Mabuse im Festsaal des Frankfurter Ökohauses seinen 30-jährigen Geburtstag. Zur Feier kommen über 300 FreundInnen, AutorInnen und GeschäftspartnerInnen.
Der dritte IPPNW-Kongress „Medizin und Gewissen“ in Nürnberg wird ein voller Erfolg; das Bedürfnis der Gesundheitsberufe, über ihre Arbeit zu reflektieren, ist anhaltend groß. Wir veröffentlichen zum dritten Mal den Dokumentationsband dieser wichtigen Tagung.
Wir begründen eine neue Buchreihe: Bücher für Hebammen. Die ersten Titel beschäftigen sich mit den Themen Familienhebammen und Kaiserschnitt.
Wir geben das Reprint des Buches „Die Tötung Geisteskranker in Deutschland“ von Alice von Platen-Hallermund heraus - den 1948 erstmals erschienenen Bericht über den Nürnberger Ärzteprozess.
Schwerpunktthemen im Dr. med. Mabuse: Trauma, Schwangerschaft und Geburt, Gewalt im Gesundheitswesen, Sexualität, Kunst und Gesundheit, Demenz.
Mirja-Estelle Momberger steigt mit Verve in die Anzeigenakquise ein.
Der Buchversand steigert schon wieder seinen Umsatz, was dazu führt, dass neue Räume im Ökohaus angemietet werden müssen. Die sind allerdings auch schnell wieder überfüllt.
Der Verlag präsentiert einen neuen Erfahrungsbericht: Helmut Clahsen schreibt in "Mir fehlen die Worte" über die Aphasieerkrankung seiner Frau. Wir machen unter anderem Bücher mit Terre des Femmes, medico international und medica mondiale.
Im Verlagsprogramm erscheinen unter anderem "Frontschwestern und Friedensengel – Krankenschwestern im Ersten und Zweiten Weltkrieg" und der Erfahrungsbericht über das Leben mit Multipler Sklerose.
Im Buchprogramm erscheinen unter anderem der neue Erfahrungsbericht "50 Tage intensiv – Die menschliche Würde im Krankenhaus" und "Endstation Alzheimer", das ein überzeugendes Konzept zur stationären Betreuung demenziell Erkrankter vorstellt.
Im Mai findet der Gesundheitstag in Berlin statt – nach Meinung eines der wenigen Besucher eher "eine Gedenkfeier mit Potpurri-Programm zur Beerdigung" des letzten Gesundheitstages 1987". Jedenfalls ist es kein gesundheitspolitisches Großereignis, wie von den Initiatoren erhofft. Aber auch Woodstock konnte nur einmal stattfinden.
Im Sommer verlassen Thomas Welling und Karin Griese das Mabuse-Team.
Dafür bekommt ab der Fußball-Europameisterschaft die Pflegeredaktion Zuwachs von Dagmar Müller.
Schwerpunkte: Sterben und Tod, Grenzsituationen in Pflege, Psychotherapie und Medizin, 10 Jahre nach der Wende. Gitta Düperthal schreibt über den Boom der Krankenhausserien im Fernsehen: "Liebe und Triebe in der Notaufnahme". Mabuse diskutiert das Psychotherapeutengesetz, das nach 24 Jahren Hauen und Stechen in Kraft tritt. Ellis Huber wird nach 10 Jahren als Berliner Ärztekammerpräsident abgewählt. Die Mabuse-Leserreise geht nach Tibet. Im August herrscht totale Sonnenfinsternis. Aus diesem Anlass verlegen wir den Mabuse-Betriebausflug in ein Bergwerk bei Wetzlar.
Im April stirbt unsere Autorin und die Gründerin der Pflegeredaktion Hilde Steppe.
"Ärzte ohne Grenzen" bekommt den Friedensobelpreis; der Alt-Mabusianer Willi Schäberle berichtet von seiner chirurgischen Arbeit für diese medizinische Hilfsorganisation in verschiedenen Kriegsgebieten.
Zur Buchmesse erscheint unser erster Cartoonband "Bitte freimachen!" von Freimut Wössner.
Eine Betriebsberatung lässt das betriebswirtschaftliche Flämmlein im Denken der Angestellten fürderhin heftig lodern.
Schwerpunkte: Alter und Altenpflege, Multiprofessionelle Zusammenarbeit. Eine rege Debatte um die "Körperwelten"-Ausstellung Gunther von Hagens entbrennt im Mabuse. Mit Artikel und Buch von Martina Böhmer stößt Mabuse die Diskussion um sexualisierte Gewalterfahrungen heute alter Frauen und die Konsequenzen für die Altenpflege an.
Ab Februar rettet der Computer-Netzwerker Werner Hofmann uns aus jeder digitalen Not (aber nur, wenn Prinzenrollen bereitliegen). Im Sommer kommt Thomas Welling zu uns, um Zeitschrift und Bücher zu gestalten. Im Oktober begründen wir die gute Tradition der beliebten Mabuse-Empfänge auf der Frankfurter Buchmesse. Michael Emmrich gibt unter dem Titel "Im Zeitalter der Bio-Macht" eine kritische Bilanz der ersten 25 Jahre Gentechnik heraus.
Die entwicklungspolitische Hilfsorganisation medico international wird 30; Thomas Seibert beleuchtete die verschiedenen Stationen ihrer Arbeit: von Katastrophenhilfe über Befreiungshilfe und Primary Health Care bis zum Friedensnobelpreis 1997 für die Internationale Kampagne gegen Landminen.
Nach dem Regierungswechsel im September schreiben Mabuse-LeserInnen, was sie sich von der rot-grünen Koalition gesundheitspolitisch erhoffen. Davon sind etwa 7,43 Prozent eingetreten: Ein klarer Erfolg!
Schwerpunkte: Ambulante Pflege, Umweltmedizin, Altenpflege, Chinesisches Gesundheitswesen, Schwangerschaft und Geburt. Wir mieten zusätzliche Räume an.
Die zweite Mabuse-Studienreise mit Hauptaugenmerk auf dem Gesundheitswesen geht wieder unter der Leitung des China-Kenners Helmut Forster-Latsch ins Reich der Mitte.
Wir drucken das begehrte Plakat mit den fröhlich rennenden Krankenschwestern, das seitdem zahlreiche Krankenpflegeschulenwände ziert.
Wir verlegen die Dokumentation des IPPNW-Kongresses "Medizin und Gewissen – 50 Jahre nach dem Nürnberger Ärzteprozess".
Mit der Nr. 100 erscheint die dickste Mabuse-Ausgabe aller Zeiten und zum ersten Mal mit vierfarbigen Innenseiten. Die Schwerpunkte der 96er Hefte: Public Health, Behinderte Menschen, Medizin und Gewissen. Artikel in unserer Reihe "Kritische Gesundheitspolitik – Bilanz und Perspektiven" erscheinen in loser Folge übers Jahr verteilt. In unserem hohen Alter richten wir die Rubrik "Hochschulforum" ein, die regelmäßig mit studentischen Beiträgen bestückt wird, um den Kontakt zu Medizin- und Pflegestudenten zu intensivieren. Mangels Beitragenden verschwindet sie allerdings nach zwei Jahren sang- und klanglos, und keine Vermisstenanzeige geht ein. Hat Dr. Mabuse keine hypnotische Wirkung mehr auf die studentischen Massen?
Wir gehen ins Internet und sind per E-Mail erreichbar.
Im April erweitern wir das Verlags-Lektorat um Karin Griese, Soziologin aus Freiburg. Sie initiiert u.a. die erfolgreiche neue Reihe Erfahrungsberichte von PatientInnen, in der in den nächsten Jahren Bücher unter anderem zu den Themen Schlaganfall, Epilepsie, Locked-in-Syndrom und Aneurysma erscheinen.
Ab Sommer gewinnen wir Michaela Marx für Anzeigen und Buchversand.
Schwerpunktthemen im Dr. med. Mabuse: Pflege, Frauengesundheit – Frauen in der Medizin, Ethnomedizin, Anthroposophische Medizin und Pflege, Medizinische Ethik, Pflegeversicherung.
Die LeserInnenumfrage bestätigt den Trend zur Pflege und damit auch zur Leserin: Der Anteil der Pflegekräfte stieg auf 48 Prozent, überproportional davon sind in leitenden Funktionen oder als Lehrkräfte tätig. Immer mehr Buch-Manuskripte werden uns angeboten. Wir verstärken unser Team um den verlagserfahrenen Wolrad Bode, der insbesondere unsere Reihe Wissenschaft erheblich erweitert: 1994 und ´95 erscheinen 50 neue Titel im Mabuse-Verlag.
Wir leisten uns neue Soft- und Hardware. Diese und Investitionen für den Druck von Büchern und die Erweiterung unserer Versandbuchhandlung werden auch durch engagierte LeserInnen, die sich finanziell an unserem Verlag beteiligen, ermöglicht; dafür sei an dieser Stelle nochmal speziell gedankt. Preissteigerungen bei Postgebühren und Druck machen uns zu schaffen. Ein guter Teil davon wird mit deutlich höheren Einnahmen im Anzeigenbereich aufgefangen. Mabuse nimmt zum 10. Mal an der Frankfurter Buchmesse teil.
Ende des Jahres gibt es einen Wechsel in der Redaktion: Anja Uhling nimmt sich des Dr. med. Mabuse an.
Wir schaffen es (fast immer), Schwerpunkthefte zu erstellen. Es gelingt, den AutorInnenstamm zu erweitern; nach wie vor schreiben (fast) alle für die Ehre und ohne Honorar. Endlich stellen wir vom Klebeumbruch auf DTP um. Das Ende der kreativen und chaotischen Klebe-Layout-Wochenenden löst nicht nur bei unserem schwäbischen Künstler Willi Schäberle Wehmut aus. Der Bildschirmumbruch erleichtert aber unsere Arbeit und verbessert die Gestaltung der Zeitschrift.
Themen: Arbeit und Gesundheit, Betreuungsrecht, Neue Arbeitszeitmodelle in der Pflege, Gesundheitsstrukturreformgesetz, Supervision, Transplantationsmedizin, Kinder in der Medizin, Psychose-Seminare.
Schwerpunktthemen im Dr. med. Mabuse: Organspende, Gentechnikgesetz, Hebamme als Beruf, Pflegewissenschaft, Blut-Aids-Skandal, Gesundheitswesen in USA.
"Die Hölle von Ueckermünde – Psychiatrie im Osten" heißt ein Fernsehfilm von Ernst Klee. Die erschütternden Bilder lösen Entsetzen aus, Mabuse bringt Beiträge aus Ost und West in der Nr. 85. Die Buchproduktion im Mabuse-Verlag wird ausgeweitet. Noch rasanter wächst unsere Versandbuchhandlung: Der fünfte Katalog ist dicker denn je und wird in einer Auflage von 100 000 Exemplaren gedruckt. "Krankenpflege im Nationalsozialismus" von Hilde Steppe erscheint in der 7. Auflage.
Nach fünf Jahren Schmuddelcharme im KBW-Haus ziehen wir mit den anderen Mietern (Ökotest, taz, Grüne, Naturfreundejugend etc.) ins neue Ökohaus am Westbahnhof.
Wir nehmen die Aboverwaltung wieder in die eigenen Hände. Gerlinde Jung betreut jetzt unsere AbonnentInnen.
Die Krankenschwester Christiane Kreis kümmert sich jetzt um die wachsende Kundschaft unserer Versandbuchhandlung. Um unsere Professionalisierung finanzieren zu helfen, sucht das Projekt Geldgeber, die sich finanziell am Verlag beteiligen. Am 1. Mai findet das "Mabuse-Wiedersehensfest" in Frankfurt statt: 50 Leute der Ex-Basis treffen sich in der Äppelwoi-Kneipe "Zur Sonne". Caro-Druck produziert uns jetzt auf 100-prozentigem Recycling-Papier, ziemlich grau, die neue Sorte.
Themen: Qualitätssicherung in der Medizin, Gesundheit in der 3. Welt, Ökonomie im Gesundheitswesen, Psychiatrie-Bilanz.
Schwerpunktthemen: Perspektiven der Gesundheitsbewegung, Pflegeversicherung, Golfkrieg und Gesundheitswesen, Frauen und Pflege, Psychiatrie, Katastrophenmedizin, Gentechnologie, Pharmapolitik, Ökologie im Gesundheitswesen, Humangenetische Beratung, Stasi im DDR-Gesundheitswesen, Patiententötungen, Gesundheitswesen in den USA.
Der ehemalige Redakteur der Zeitschrift „demokratisches gesundheitswesen“, Klaus Priester, empfiehlt uns eine Annäherung an die betriebliche Wirklichkeit; er koordiniert den Schwerpunkt Arbeitsmedizin für uns.
Ab Sommer gibt es eine vierte feste Stelle im Mabuse-Team. Es finden nur noch zweimal im Jahr (abwechselnd in Berlin und Frankfurt) überregionale Redaktionstreffen statt – die verbliebenen Lokalredaktionen sind in Auflösung begriffen.
Zum Jahresende verlässt Sabine Keller nach sieben Jahren das Projekt.
Themen: Gesundheitspolitik und Psychiatrie in der DDR, Studienreformmodelle, Pflege-Weiterbildung und Pflegewissenschaft, Häusliche Pflege, Kostenexplosion im Krankenhaus, Kommunale Gesundheitsförderung, Bilanz der kritischen Gesundheitspolitik.
Das erste Redaktionstreffen des Jahres findet im mauerfreien Berlin statt: Die Gesundheitsdebatte des ganzen Jahres ist geprägt von "Wende" und Wiedervereinigung. In der gesundheitspolitischen Linken im Westen gibt es Streit darüber, ob es im maroden DDR-Staat ein vorbildliches Gesundheitswesen gab. In der DDR selbst sind es zu wenige, die sich für den Erhalt ihrer Polikliniken einsetzen: Wie der untergehende Gesamtstaat wird auch das DDR-Gesundheitswesen die Strukturen der BRD übernehmen.
Der Mabuse begrüßt (wenige) neue LeserInnen und AutorInnen aus der DDR und circa 1000 Abos des „demokratischen gesundheitswesens“ (weniger, als wir erhofften), die Abozahl pendelt sich bei 5000 ein, der Buchverlag wächst und mit ihm das Büro: Drei Räume beherbergen nun Redaktion und Verlag. Der Mabuse gründet eine GmbH, mit Hermann Löffler und Sabine Keller als Geschäftsführern. Mabuse hat zusammen mit medico international einen Stand auf der Frankfurter Buchmesse.
Die bisherige Konkurrenzzeitschrift „demokratisches gesundheitswesen“ gerät wegen der finanziellen Abhängigkeit seines Verlages Pahl Rugenstein von Zuschüssen aus der DDR in eine existentielle Krise. Mabuse erhält vonseiten der Redaktion ein Fusionsangebot. Ein halbes Jahr wird heftig überlegt und diskutiert, im August entscheiden wir uns schließlich wegen allzu vieler politischer Differenzen und Unvereinbarkeiten gegen ein Zusammengehen. Die Zeitschrift wird Ende 1989 eingestellt. Der Pahl-Rugenstein-Verlag bietet uns kurz vor seinem eigenen Konkurs die Aboverträge zum Kauf an, der Mabuse entscheidet sich dafür.
Die erste LeserInnenumfrage wird durchgeführt: noch ist der typische Mabuseleser männlich, 39 Jahre alt und Arzt. Aber fast alle Neuabos und Buchbestellungen kommen aus dem Pflegebereich, was nicht zuletzt der stärkeren inhaltlichen Mitarbeit von dieser Seite geschuldet ist. Der erste Katalog des Mabuse-Buchversandes wird an die Kunden verschickt. Ende des Jahres gönnen sich die drei Angestellten die ersten vernünftigen Bürostühle aus dem Nachlass der verblichenen Frankfurter Stadtzeitschrift „Pflasterstrand“.
Themen: Ethik-Kommissionen, Gesundheitsreform, Pflegestreiks und Pflegenotstand, rot-grüne Berliner Gesundheitspolitik, Diskussion um Bio-Ethik, DDR-Gesundheitswesen.
Themen: Psychiatrieentwicklung, Altenpflege, EDV in der Krankenpflege, Umweltmedizin, Sterbehilfe, Methadonprogramme, 10 Jahre Gesundheitsbewegung.
Das Layout findet jetzt mit Unterstützung einer Grafikerin in Frankfurt statt, die Zeiten des Letrasets und Layoutkoffers sind endgültig vorüber. Ab Nr. 56 erscheint der Mabuse mit ganz neuem Layout. Es gibt nur noch vier überregionale Treffen pro Jahr, die Basis bröckelt. Dafür häufen sich Mabuse-interne Geburtsanzeigen. Ende des Jahres schreibt Gerlinde Jung für den Mabuse-Buchversand die 2000. Rechnung.
Ein Aufruf von Hilde Steppe zur Gründung einer "Autonomen Pflegeredaktion" im Mabuse findet große Resonanz: 100 Leute aus dem Pflegebereich kommen am 25. April zu einem ersten Treffen in Frankfurt zusammen.
Der Mabuse wird ab jetzt über die Buchhandelsauslieferung Prolit in Gießen vertrieben, auch die Aboverwaltung wird ausgelagert. Die Redaktionsarbeit verlagert sich immer mehr von der Basis ins Büro, woanders nennt man das Professionalisierung. Die Abozahl klettert auf 4000. Das Anzeigenaufkommen wächst. Das Mabusebüro expandiert auf zwei Räume. Der 4. bundesweite Gesundheitstag in Kassel zeigt die Krise der Gesundheitsbewegung auf: Inhaltlich wahllos und schwach besucht, endet er, trotz staatlicher Zuschüsse, mit einem großen Defizit. Mabuse Nr. 50 enthält das große Zehn-Jahres-Register 1976-86.
Wichtige Themen: Arzt im Praktikum, Arbeitsbedingungen in der Pflege, Ganzheitliche Krankenpflege, § 218 und In-vitro-Fertilisation, Strukturreform im Gesundheitswesen.
Mabuse erscheint ab sofort sechsmal pro Jahr. Die basisdemokratische Rotation des Layouts hört auf. Inge Schreier verlässt das Frankfurter Team, neu dazu kommt Gerlinde Jung. Mit einem großen Sommerfest in der Frankfurter Brotfabrik werden zehn Jahre Mabuse gefeiert. Der Buchversand hat Erfolg: Manche ehemaligen Verlag Gesundheit-Titel müssen nachgedruckt werden. Gegen den Widerstand der Basis entsteht der Mabuse-Verlag. Verkaufshit: Hilde Steppes "Krankenpflege im Nationalsozialismus". – Wichtige Themen: Frankfurter "Euthanasie"-Prozeß; Tschernobyl; AIDS.
Im Dezember gewinnt die Fraktion Gesundheit die Berliner Ärztekammerwahlen, Ellis Huber wird Kammerpräsident.
In Heft 36 erscheint der erste Schwerpunkt zum Thema "Pflege".
Am 1. Mai zieht das Mabuse-Büro von Köln nach Frankfurt, in das "KBW-Haus" in der Mainzer Landstraße 147. Der Kommunistische Bund Westdeutschland – KBW – hatte sich aufgelöst und vermietet seine Räume an Interessenten des links-alternativen Milieus,wie taz, Ökotest u.a.. Neue Besetzung: Sabine Keller, Hermann Löffler, Inge Schreier. Lebenslange Abos werden für SpenderInnen eingerichtet, Handverkauf verlagert sich immer mehr in Buchläden, 3500 Abos, der erste Computer hält Einzug ins Mabusebüro. Mabuse geht das erste Mal auf die Buchmesse, zusammen mit der IPPNW, die just während der Messe den Friedensnobelpreis erhält.
Insolvenz des Berliner "Verlag Gesundheit",d er die Ergebnisse des 1. Gesundheitstages verlegt hatte. Wir kaufen Teile der Konkursmasse, bescheidene Anfänge des Mabuse-Buchversandes und des Mabuse-Verlags.
Die Gesundheitsläden erhalten in jeder Ausgabe zwei Seiten für ihren "Infodienst".
Die zentrale Redaktionskonferenz entmachtet sich ein wenig und beschließt, den Hauptamtlichen mehr Kompetenz bei der Vorplanung von Themenschwerpunkten zu geben. Mabuse 33 beschäftigt sich mit der Gesundheitspolitik der GRÜNEN und hat (heftig umstritten!) im 9. Jahrgang das erste farbige Titelbild. Außerdem beschließen wir, Broschüren von Initiativen im Gesundheitswesen zu verbreiten, der Anfang unserer Versandbuchhandlung. Existenzängste kommen hoch: Thomas Dersee vom Verlag Gesundheit in Berlin plant eine Konkurrenzzeitschrift, was bei uns auch Debatten um eine Professionalisierung fördert. Der 3. Gesundheitstag in Bremen hat weniger Besucher und ein größeres Defizit.
In einer zugeschneiten Skihütte bei Freiburg diskutieren wir über Militärmedizin und Sozialdarwinismus. Das Editorial der Nr. 27 berichtet von einer Krise des Betroffenenjournalismus: "Unbehagen kommt beim Wiedergeben der bloßen Erfahrung ohne weiterführende Reflexion auf." Dies wird auch auf den biographischen Übergang vieler Aktiven in die ärztliche Berufstätigkeit zurückgeführt.
In der Auseinandersetzung um das Katastrophenschutzgesetz und die Nachrüstung wird von linken Ärzten der Beitrag an die Bundesärztekammer wegen deren positiven Haltung zur Wehrmedizin boykottiert. Ebenfalls boykottiert werden die Produkte von Hoffmann-La Roche, weil die Firma Dioxin-Fässer verschwinden ließ.
Mabuse Nr. 30 meldet: "Das Imperium schlägt zurück". Das Deutsche Ärzteblatt überzieht uns mit einer Klage, weil wir dazu auffordern, die pharmawerbungsarme Ausgabe C des Standesblattes zu bestellen. Das angedrohte Ordnungsgeld von 500.000 DM lässt uns klein beigeben.
Themen: Ärztliche Friedensbewegung, Ambulante Geburt, Sozialisation im Präparierkurs, Italienische Psychiatrie.
Wir finden mabuse-intern bei unseren Studis und Ärzten niemand mehr für den lukrativen 900-Mark-Posten des Hauptverantwortlichen. Barbara Zaabe und Monika Dierksmeier aus Köln teilen sich den Job, das Mabuse-Büro zieht in die Domstadt. Dank Werner Hofmann und vieler Prinzenrollen wird die Aboverwaltung auf EDV umgestellt. Wir drucken die ersten zehn Hefte nach und legen in einem Uni-Raum in fünf Stunden 60.000 Seiten während des Gießener Redaktionstreffens per Hand zusammen. Prinzipielle Auseinandersetzungen prägen die Debatte um einen Wechsel der Druckerei: Dürfen wir unseren langjährigen Partner, den Spontis des Frankfurter Druckladens, untreu werden und zu Caro-Druckerei des KBW, die uns ein Angebot für genau die Hälfte des bisherigen Preises machte, wechseln? Mit einer knappen Mehrheit siegt die Ökonomie, fortan wird Mabuse bei Caro gedruckt.
In Hamburg findet der 2. Gesundheitstag statt. Schwerpunktthemen: Selbsthilfe, Behinderung, Alternativmedizin. Die Abozahl steigt auf 1500, der Kleinanzeigenteil füllt fast eine Seite. Auf einen kritischen Artikel von Donald Frankenberg zur Homöopathie gibt es eine wahre Leserbriefflut. Das Mabuse-Büro zieht wieder nach Frankfurt zurück: Hermann Löffler koordiniert die Arbeit und geht ein Untermietverhältnis bei medico international ein. 5 Jahre Dr. med. Mabuse: Geburtstagsfest im KOMM mit dem beliebten Mitternachtsauftritt des Ballhaus-Quartettes aus Wiesbaden.
Die Auflage steigt auf 10000, wir gründen den Verein "Dr. med. Mabuse". Um die finanziell-organisatorischen Probleme in den Griff zu kriegen, wird Alex Horn zum ersten hauptamtlichen und (kärglich) bezahlten Mabusianer gewählt. Ende 1980 wechselt das Mabuse-Büro nach Lübeck: Ernst-Ludwig Iskenius ist unser neuer Hauptverantwortlicher . Die Umstellung von Schreibmaschinenschrift auf Composersatz löst prinzipielle Diskussionen aus, der technische Fortschritt siegt.
Jede/r kann daran teilnehmen, es gibt kein Delegationsprinzip. Die veranstaltende Redaktion gestaltet auch das Layout des neuen Heftes. Um Dezentralität und Basisdemokratie zu gewährleisten, soll die koordinierende Redaktionsgruppe (später abgelöst von einer hauptamtlichen Kraft) rotieren. Mabuse will Forum für kritische Gruppen im Gesundheitswesen sein.
Ab dem 3. Geburtstag hat Mabuse den langen Untertitel: "Zeitung im Gesundheitswesen – aus Aachen, Frankfurt, Freiburg, Gießen, Hamburg, Hannover, Heidelberg, Bad Hersfeld, Kiel, Köln, Mainz, Marburg, München, Ulm". Wir bieten Abos an (10 DM pro Jahr), 250 Leute nutzen dies.
Im November erscheint im Pahl Rugenstein Verlag die neue Zeitschrift „demokratisches gesundheitswesen“. Herausgegeben von gewerkschaftlich orientierten Profs, Ärzten und Krankenschwestern aus dem DKP/SPD-Spektrum, wendet sie sich vorangig an Beschäftigte im Gesundheitswesen.
Mabuse ist nicht mehr Organ der Fachschaft. Da aber das Interesse wächst, macht die Frankfurter Redaktionsgruppe, ihr – gar nicht mit einer längerfristigen Perspektive gegründetes – Blatt weiter. Auch der Zuspruch aus anderen Städten nimmt zu, die Auflage steigt auf 4.500. Das Editorial vermeldet einen "Sieg der Ökologen über die Ophtalmologen": Mabuse wird bei Bundschuh in Freiburg auf Umweltschutzpapier gedruckt. Nicht nur der Druckort rotiert; im Rahmen des basisdemokratischen Verständnisses wechselt die verantwortliche Redaktion nach Freiburg, wo mittlerweile eine große studentische Mabuse-Gruppe existiert.
Zum zweiten Geburtstag schreibt die Frankfurter Rundschau: "Solch ein fürwahr basisdemokratisches Zeitschriftenprojekt, das auf weiter Medienflur nur selten seinesgleichen findet und immer noch nicht eingegangen ist."
Themen: Ökologische Medizin, Gruppenpraxen, Ärzteschwemme, Krebs durch Atomanlagen, Der Kampf um eine unabhängige Sahara, Tötet Nestlé Babys? Knastmedizin und Die (Selbst-)morde in Stammheim aus gerichtsmedizinischer Sicht.
Die Unruhe an den medizinischen Fachbereichen nimmt deutlich zu. Die Einführung des Praktischen Jahres (PJ) und die damit verbundene bundesweite Streikbewegung der StudentInnen prägen die Inhalte des Mabuse. Der PJ-Streik mit seinen zentralen Forderungen nach Tarifvertrag und Bezahlung (700 DM) mobilisiert nicht nur Linke jeglicher Coleur, sondern an vielen Unis mehr als die Hälfte der Studierenden. Obwohl die Forderungen nicht durchgesetzt werden konnten, entsteht durch die Politisierung und die geknüpften Kontakte ein Netzwerk zwischen den einzelnen Medizinfachschaften.
Dies wirkt sich auch auf die Verbreitung des Mabuse aus: Bereits ab der Nr. 2 wird die Zeitschrift auch von Fachschaftlern anderer Unistädte verkauft und ab der Nr. 6 (Oktober 1977) arbeiten auch Medizinstudierende aus Berlin, Gießen, Hamburg, Heidelberg, Marburg, Köln, Aachen und Freiburg redaktionell an der Zeitschrift mit. Das erhoffte Echo des Klinikpersonals bleibt allerdings aus, obwohl über den Handverkauf reichlich Exemplare an Pflegekräfte und Ärzte verkauft werden.
Der Frankfurter Psychiatriekonflikt, der sich nicht zuletzt an der Person des erzkonservativen Psychiaters Bochnik entzündet, ist der zweite wichtige Bezugspunkt der 77er Hefte. Die Kritik des Journalisten Ernst Klee an den unhaltbaren Zuständen in der Psychiatrie der Frankfurter Uniklinik finden ein großes öffentliches Echo und drücken sich auch in einer Demonstration mit Patientenbeteiligung aus.
Am 9.12.77 steigt das erste Geburtstagsfest im KOMM der Uniklinik. Hier – wie bei den dann jährlich folgenden Feiern – gibt es zwei Rituale: „Sympathy for the Devil“ von den Rolling Stones und abwechselnd einen der drei Dr. Mabuse-Filme von Fritz Lang.
Bei der Fachschaftswahl der Medizinstudierenden in Frankfurt am Main erringt die Liste der Undogmatischen Linken (Spontis) einen klaren Sieg. Es entsteht die Idee, eine neue Art Fachschaftszeitschrift zu machen, die sich kritisch mit Medizin und Gesundheitspolitik auseinandersetzt. Mabuse soll auch allen am Fachbereich tätigen Gruppen als Forum zur Verfügung stehen.
"Die Zeitung sollte möglichst keine liebe ,Hauspostille für studentische Angelegenheiten´ sein. Natürlich soll über Studienprobleme berichtet werden. Aber wir wollen auch Dinge ansprechen, die darüber hinausgehen und vor allem nicht nur Studenten ansprechen, sondern auch das Klinikpersonal." (aus dem Editorial der Nr. 1).
Der Name des neuen Studiblattes soll provozieren und sich gleichzeitig von so spannenden Namen linker Medizinblätter wie Schrittmacher oder Rote Spritze abheben. Der nächtliche Vorschlag Dr. med. Mabuse findet jedenfalls ein eindeutige Mehrheit und alle Anläufe (vor und nach der Gründung der Pflege-Redaktion), der Zeitschrift einen seriöseren Titel zu verpassen, scheitern.
Am 10. Dezember 1976 erscheint die Nr. 1, hinter der Druckmaschine: Helmut, der ASTA-Drucker. Obwohl Mabuse im Gegensatz zu seinen studentischen Vorläufern nicht verteilt, sondern für 50 Pfennig verkauft wird, sind die 500 Exemplare des ersten Heftes innerhalb weniger Tage vergriffen.