1976
Bei der Fachschaftswahl der Medizinstudierenden in Frankfurt am Main erringt die Liste der Undogmatischen Linken (Spontis) einen klaren Sieg. Es entsteht die Idee, eine neue Art Fachschaftszeitschrift zu machen, die sich kritisch mit Medizin und Gesundheitspolitik auseinandersetzt und auch andere Berufsgruppen im Gesundheitswesen einbeziehen soll.
Der Name des neuen Studiblattes soll provozieren – der nächtliche Vorschlag Dr. med. Mabuse findet eine eindeutige Mehrheit. Am 10. Dezember erscheint die erste Ausgabe.
1977
Die Unruhe an den medizinischen Fachbereichen nimmt deutlich zu. Die Einführung des Praktischen Jahres und die damit verbundene bundesweite Streikbewegung der StudentInnen prägen die Inhalte des Dr. med. Mabuse. Dies wirkt sich auch auf die Verbreitung des Dr. med. Mabuse aus: Bereits ab der Nr. 2 wird die Zeitschrift auch von Fachschaftlern anderer Unistädte verkauft, und ab der Nr. 6 arbeiten auch Medizinstudierende aus Berlin, Gießen, Hamburg, Heidelberg, Marburg, Köln, Aachen und Freiburg redaktionell an der Zeitschrift mit.
Der Frankfurter Psychiatriekonflikt ist der zweite wichtige Bezugspunkt der 77er Hefte. Die Kritik des Journalisten Ernst Klee an den unhaltbaren Zuständen in der Psychiatrie der Frankfurter Uniklinik finden ein großes öffentliches Echo und drücken sich auch in einer Demonstration mit PatientInnenbeteiligung aus.
1979
Perspektivwochenende in Gießen: Dort werden die basisdemokratischen Strukturen beschlossen, die im Wesentlichen bis in die 90er Jahre praktiziert werden sollten. Die Redaktion setzt sich aus den autonom arbeitenden örtlichen Mabuse-Gruppen zusammen, diese erstellen Artikel und verschicken sie an die anderen Gruppen, ein Redaktionsstatut existiert nicht. Oberstes Entscheidungsgremium ist das viermal jährlich (und jeweils in einer anderen Stadt) stattfindende überregionale Redaktionstreffen, auf welchem alle Artikel diskutiert und abgestimmt und auch organisatorische Fragen geklärt werden.
1980
Als Alternative zum Deutschen Ärztetag geplant, trifft der Aufruf des Berliner Gesundheitsladens zum 1. Gesundheitstag auf eine Aufbruchstimmung: Mit 10 000 TeilnehmerInnen hatte niemand gerechnet. Neben einem breiten inhaltlichen Spektrum wird zum ersten Mal nach dem Krieg die Verstrickung der Medizinerschaft in die Verbrechen der Nationalsozialisten öffentlich debattiert. Von den Nazis vertriebene jüdische Ärzte kommen dazu erstmals nach Deutschland.
1983
Dr. med. Mabuse Nr. 30 meldet: „Das Imperium schlägt zurück“. Das Deutsche Ärzteblatt überzieht uns mit einer Klage, weil wir dazu auffordern, die pharmawerbungsarme Ausgabe C des Standesblattes zu bestellen. Das angedrohte Ordnungsgeld von 500 000 DM lässt uns klein beigeben.
1984
Dr. med. Mabuse Nr. 33 beschäftigt sich mit der Gesundheitspolitik der Grünen und hat im 9. Jahrgang das erste farbige Titelbild. Außerdem beschließen wir, Broschüren von Initiativen im Gesundheitswesen zu verbreiten: der Anfang unseres Verlages und unserer Versandbuchhandlung.
1985
In Heft 36 erscheint der erste Schwerpunkt zum Thema „Pflege“. Mabuse geht zum ersten Mal auf die Buchmesse, zusammen mit der IPPNW, die just während der Messe den Friedensnobelpreis erhält.
1986
Dr. med. Mabuse erscheint ab sofort sechsmal pro Jahr.
1987
Ein Aufruf von Hilde Steppe zur Gründung einer „Autonomen Pflegeredaktion“ im Dr. med. Mabuse findet große Resonanz: 100 Leute aus dem Pflegebereich kommen zu einem ersten Treffen nach Frankfurt.
1989
Die erste LeserInnenumfrage wird durchgeführt: Noch ist der typische Mabuseleser männlich, 39 Jahre alt und Arzt. Fast alle Neuabos und Buchbestellungen kommen aber aus dem Pflegebereich.
1990
Das erste Redaktionstreffen des Jahres findet im mauerfreien Berlin statt: Die Gesundheitsdebatte dreht sich unter anderem um die Polikliniken der DDR. Mabuse gründet eine GmbH.
1992
Nach fünf Jahren im "KBW-Haus" ziehen wir mit den anderen Mietern (Ökotest, taz, Grüne) ins neue Ökohaus am Westbahnhof.
1993
"Die Hölle von Ueckermünde – Psychiatrie im Osten" heißt ein Fernsehfilm von Ernst Klee. Die erschütternden Bilder lösen Entsetzen aus, Dr. med. Mabuse bringt Beiträge aus Ost und West.
1996
Mit der Nr. 100 erscheint die dickste Dr. med. Mabuse-Ausgabe aller Zeiten und zum ersten Mal mit vierfarbigen Innenseiten. Die Schwerpunkte der 96er Hefte: Public Health, behinderte Menschen, Medizin und Gewissen. Wir gehen ins Internet und sind per E-Mail erreichbar.
1997
Eine Mabuse-Leserreise mit Hauptaugenmerk auf dem Gesundheitswesen geht nach China.
2002
Am 25. Mai feiern wir mit AutorInnen, LeserInnen und FreundInnen den 25. Mabuse-Geburtstag mit 300 Gästen im Ökohaus.
2003
Wie schreiben zu Wohnen im Alter, Gesundheit von Gesundheitsberuflern und natürlich zur großen Gesundheitsreform. Wir publizieren Bücher mit Terre des Femmes, medico international und medica mondiale.
2005
Mittlerweile ist die Belegschaft auf zehn MitarbeiterInnen angewachsen. Durch Investitionen und einen Wechsel der Druckerei kann der
Dr. med. Mabuse nun durchgängig vierfarbig gedruckt werden. Auch das Layout wird gründlich überarbeitet.
2007
Am 15. September feiert
Dr. med. Mabuse im Festsaal des Frankfurter Ökohauses seinen 30-jährigen Geburtstag. Zur Feier kommen viele FreundInnen, AutorInnen und GeschäftspartnerInnen. Die Resonanz auf die Inhalte der Zeitschrift ist so ermutigend, dass wir uns auf die nächsten 30 Jahre Streiten für ein besseres Gesundheitswesen freuen!
2008
Nach dem Blick zurück folgt die Schau in die Zukunft: Wie wird das Gesundheitswesen in 30 Jahren aussehen? Unsere AutorInnen – darunter ÄrztInnen, PflegewissenschaflterInnen, Pflegende, Hebammen und Gesundheitswissenschaftler – entwerfen Visionen und Schreckensbilder, von der Neurosozialpsychiatrie über Disability Mainstreaming bis zu einem Abschlussbericht der Menschheit.
2009
Integrierte Versorgung, Migration, Palliativversorgung, E-Health, Ekel und Scham und schließlich das Thema Arbeitsorganisation in den Gesundheitsberufen sind die Schwerpunkte dieses Jahres.
2010
Der „Hilfe beim Sterben“-Schwerpunkt im Mai/Juni sorgt für lebhafte Diskussionen, wie weit Hilfe beim Sterben gehen darf. Die Texte unserer AutorInnen werden gleichzeitig als zu Sterbehilfe-kritisch und als zu Sterbehilfe-bejahend wahrgenommen. Im Schwerpunkt der Juli/August-Ausgabe bezieht
Dr med. Mabuse politisch Stellung: Privatisierung von Kliniken und ein humanes, solidarisches Gesundheitswesen? Das geht nicht zusammen!
Nach langer Vorarbeit geht unser neuer Webauftritt endlich online.
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