Autonomie und Fremdtötung

Sterbehilfe als Sozialtechnologie

Ludger Fittkau
35,00 €
  • Verlag: Mabuse
  • Umfang: 341 Seiten
  • Erscheinungsjahr: 2006
  • Bestellnummer: 01418
  • ISBN: 9783938304181
  • lieferbar
Die Sterbehilfe hat seit ihrer „Erfindung" am Ende des 19. Jahrhunderts ein doppeltes Gesicht: Zum einen soll sie dem Einzelnen die Kontrolle über das Sterbegeschehen und den Todeszeitpunkt geben. Zum anderen bietet sie der Gesellschaft die Möglichkeit einer „biologischen Politik" (Schallmayer): Es geht im Sterbehilfediskurs von Beginn an um politische Ökonomie, beispielsweise um Ressourcenpolitik im Gesundheitssystem - das ist ein zentraler Befund des Buches. Ökonomen und Biologen waren die ersten, die ein „Recht" auf Sterbehilfe propagierten - im Kontext einer sozialhygienschen Bewegung, die an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert Wissenschaft und Gesellschaft, aber auch die Politik quer durch alle politischen Lager erfasste.
Das „Doppelgesicht" der Sterbehilfe hat sich bis heute nicht verändert. Das Buch zeigt: Wo die „Freiheit" des Einzelnen propagiert wird, fremde Hilfe für die eigene Sterbekontrolle in Anspruch zu nehmen, sind auch Überlegungen zur Bevölkerungsentwicklung, zu Budgetbelastungen durch Altersdemente oder psychisch Kranke nicht weit. In der Praxis stimmen die organisierten Interessen lebensmüder Individuen, die nicht selbst Hand an sich legen wollen, mit den Zielen moderner Verfechter einer „biologischen Politik" überein. Das macht die Sterbehilfe heute wieder zunehmend zu einer wirksamen Sozialtechnologie.

"Es ist ein Kunststück, noch immer fröhliche Wissenschaft zu betreiben, wo fröhlich stetig 'selbstbestimmter' gestorben und gemordet werden soll. Ludger Fittkau ist in seiner Studie 'Autonomie und Fremdtötung' nicht nur dieses Kunststück mit Bravour gelungen." (Sic et Non. Zeitschrift für Philosophie und Kultur im Netz April/2006
 
Ludger Fittkau
Ludger Fittkau, Jg. 1959, Sozialpädagoge und Sozialwissenschaftler, arbeitet als freier Journalist.