1936 wurde die Ärztekammer Hessen-Nassau, Bezirksvereinigung Frankfurt am Main, im Rahmen der Gleichschaltung des Gesundheitswesens eingerichtet. Die Autorin wertet erstmals deren Meldekartei aus. Die Daten setzt sie in Beziehung zu den so genannten Entschädigungsakten emigrierter jüdischer Ärztinnen und Ärzte. Kern der Entschädigungsakten war die für das Verfahren erforderliche Eidesstattliche Erklärung, eine persönliche Schilderung, die in der Regel von den Verfolgten selbst oder nahen Angehörigen zu Papier gebracht wurde. Auf Basis dieser Informationen und der Angaben aus der Meldekartei entwickelt Birgit Drexler-Gormann eine Auswahl biografischer Skizzen. Sie lassen die Schrecken der Verfolgung, die Demütigungen und existenziellen Sorgen in Deutschland, aber auch die Schwierigkeiten im Land der erzwungenen Emigration anschaulich werden.
»Genauso wichtig wie die Aufklärung über die Täter unter den Ärzten ist aber das Erinnern an die jüdischen Opfer unter ihnen. Erinnerung ist umso eindringlicher, je konkreter sie ist. Deshalb sind regionale und lokale historische Studien wie diese so wichtig.« (vdää, 01/2009) »Mit diesem anschaulichen und gut lesbaren Werk wird der Reihe der Untersuchungsergebnisse der Verbrechen gegen die Menschlichkeit des nationalsozialistischn Unrechtsregimes, am Beispiel jüdischer Kolleginnen und Kollegen aus Frankfurt, eine eindrückliche Dokumentation hinzugefügt.« (Hessisches Ärzteblatt, 04/09)
Birgit Drexler-Gormann
Birgit Drexler-Gormann, geb. 1949, forscht seit vielen Jahren zu Fragen der Ethik in der Medizin und zur Geschichte der Medizin. Sie lebt und arbeitet als niedergelassene Ärztin in Mühlheim am Main.
Über die Standesorganisation für Hebammen und ihre Berufspolitik
Kirsten Tiedemann
Mit der ersten systematischen Forschung zur Verbandsgeschichte von Hebammen schließt Kirsten Tiedemann eine Lücke in der Geschichtsschreibung. Sie deckt die Entstehung der Reichsfachschaft Deutscher Hebammen un
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d ihre Einbindung in die Struktur des nationalsozialistischen Staates auf. Einen weiteren Schwerpunkt legt die Autorin auf die wichtigsten VertreterInnen der Organisation und der Berufspolitik. Damit wird das Profil weiblicher Täterschaft im Dritten Reich erweitert.